Das Weinhaus zum Stiefel in Bern

L. Liebe

Das war ein wack'rer Zecher,

der Herr von Bassompière,

der trank wohl manchen Becher

mit einem Zuge leer.

Das hat der edle Franke

dereinst in Bern bewährt,

wo er der Schweiz zum Danke

gar dreizehn ausgeleert.

Er war in allem Frieden

von Frankreich abgesandt,

ein Bündnis fest zu schmieden

hier mit dem Schweizerland.

Und als auf rechte Weise

der Ritter dies vollbracht,

da hat er auf die Reise

zur Heimat sich gemacht.

Es ritt der tapf're Degen

vorbei an einem Haus,

da traten ihm verwegen

gleich dreizehn Mann heraus.

Die waren all' bewehret

mit Humpen in der Hand;

sie zeigten, wie man ehret

Frankreich im Schweizerland.

Den Humpen, wie im Fluge,

setzt jeder an den Mund

und trinkt mit einem Zuge

ihn aus bis auf den Grund.

Die Herren tranken schnelle,

der Ritter war erfreut

und sann, wie er zur Stelle

den dreizehn tät' Bescheid.

Er zog von seinem Fuße

den Ritterstiefel aus,

und wie zum Abschiedsgruße

winkt er den Wirt heraus.

Der gießt in diesen Becher

schnell dreizehn Humpen Wein,

die trank der wack're Zecher

mit einem Zug hinein.

Da wussten die Kantone,

was König Heinrich kann,

der nah bei seinem Throne

gestellet solchen Mann.

Die dreizehn sah'n ihn reiten;

sie zogen in ihr Land.

Das Haus für ew'ge Zeiten

"Zum Stiefel" wird's genannt.