Verschließ dich nur du seltsam Kind
L. Liebe
Verschließ dich nur du seltsam Kind,
Sei spröd und stumm zu jeder Frist!
Deine Augen, die so glänzend sind,
Verrathen doch, wie reich du bist.
Seh ich dich an, kommt mir zu Sinn
Das Märlein von der alten Stadt:
Ein tiefer Brunnen lag darin,
Draus Keiner noch getrunken hatt'.
Er war so tief, so wundertief,
Ließ man ein Becherlein hinab,
Der Faden viele Stunden lief
Und reichte doch den Grund nicht ab.
Da kam des Wegs ein Musikant,
Der sah den Brunn und trat herzu,
Und nahm sein Geigenspiel zur Hand,
Und spielt ein Stück und sang dazu.
Und horch! da rauscht' es wundervoll
Und wogt' herauf und sprudelt' frisch,
Und lieblich kühl Gewäßer schwoll
Klar über den Rand verschwenderisch.
Der Spielmann trank in hoher Lust
Und lud auch al die Andern ein.
O wer die Flut zu lösen wußt,
Wie überselig mußt' er sein!