Ein recht Gemüt

L. Reichardt

Ein recht Gemüt

Springt mit den Nachtigallen

Auf manche Blüt,

Und freuet sich an allen!

Von diesem Zweig

Will Jener einzeln schallen,

Nicht allzugleich

Wie Saat der Menschen wallen.

Doch was vermag

Ihr wallend Herz zu stören?

Nicht Trommelschlag!

Zum Trotz sie schlägt in Chören.

Nicht Kukuksruf,

Von Kindern oft befraget,

Kein Schlag vom Huf,

Der über Wiesen jaget.

Nichts störet sie,

Nur heller muß sie singen,

Da höret sie

Den Widerhall erklingen;

Ist voll das Herz,

So geht der Mund wohl über,

Und Lust und Schmerz,

Wird da unendlich lieber.

Und nur zu bald

Vergißt sie sich im Schlagen,

Sich und den Wald,

Fort kann der Falk sie tragen;

Doch sieh den Falk,

Er hört ihr zu betroffen,

Der lose Schalk,

Und hält den Schnabel offen.