Er besucht den Klostergarten und den Kirchhof, über den letztern findet sich folgendes Gedicht

L. Reichardt

Lobt doch unsre stillen Feste,

Unsre Gärten unsre Zimmer

Das bequeme Hausgeräte

Unser Hab und Gut.

Täglich kommen neue Gäste,

Diese früh, die andern später,

Auf den weiten Heerden immer

Lodert frische Lebensglut.

Tausend zierliche Gefäße

Einst betaut mit tausend Tränen,

Goldne Ringe, Sporen, Schwerter

Sind in unserm Schatz.

Viel Kleinodien und Juwelen

Wissen wir in dunkeln Höhlen

Keiner kann den Reichtum zählen

Zählt er auch ohn Unterlaß.

Kinder der Vergangenheiten,

Helden aus den grauen Zeiten,

Der Gestirne Riesengeister

Wunderlich gesellt,

Holde Frauen, ernste Meister,

Kinder, und verlebte Greise

Sitzen hier in Einem Kreise

Wohnen in der alten Welt.

Keiner wird sich je beschweren

Keiner wünschen fortzugehen,

Wer an unsern vollen Tischen

Einmal fröhlich saß.

Klagen sind nicht mehr zu hören

Keine Wunden mehr zu sehen

Keine Tränen abzuwischen;

Ewig läuft das Stundenglas.

Tief gerührt von heilger Güte

Und versenkt in selges Schauen

Steht der Himmel im Gemüte,

Wolkenloses Blau,

Lange fliegende Gewande

Tragen uns durch Frühlingsauen

Und es weht in diesem Lande

Nie ein Lüftchen kalt und rauh.

Süßer Reiz der Mitternächte,

Stiller Kreis geheimer Mächte,

Wollust rätselhafter Spiele,

Wir nur kennen euch.

Wir nur sind am hohen Ziele

Bald in Strom uns zu ergießen

Dann in Tropfen zu zerfließen

Und zu nippen auch zugleich.

Uns ward erst die Liebe, Leben,

Innig wie die Elemente

Mischen wir des Daseins Fluten,

Brausend Herz mit Herz.

Lüstern scheiden sich die Fluten

Denn der Kampf der Elemente

Ist der Liebe höchstes Leben

Und des Herzens eignes Herz.

Leiser Wünsche süßes Plaudern

Hören wir allein, und schauen

Immerdar in selge Augen

Schmecken nichts als Mund und Kuß.

Alles was wir nur berühren

Wird zu heißen Balsamfrüchten

Wird zu weichen zarten Brüsten,

Opfer kühner Lust.

Immer wächst und blüht Verlangen

Am Geliebten festzuhangen

Ihn im Innern zu empfangen,

Eins mit ihm zu sein,

Seinem Durste nicht zu wehren

Sich in Wechsel zu verzehren,

Von einander sich zu nähren

Von einander nur allein.

So in Lieb und hoher Wollust

Sind wir immerdar versunken

Seit der wilde trübe Funken

Jener Welt erlosch,

Seit der Hügel sich geschlossen

Und der Scheiterhaufen sprühte

Und dem schauernden Gemüte

Nun das Erdgesicht zerfloß.

Zauber der Erinnerungen,

Heilger Wehmut süße Schauer

Haben innig uns durchklungen

Kühlen unsre Glut.

Wunden gibts, die ewig schmerzen

Eine göttlich tiefe Trauer

Wohnt in unser aller Herzen

Löst uns auf in Eine Flut.

Und in dieser Flut ergießen

Wir uns auf geheime Weise

In den Ozean des Lebens

Tief in Gott hinein.

Und aus seinem Herzen fließen

Wir zurück zu unserm Kreise

Und der Geist des höchsten Strebens

Taucht in unsre Wirbel ein.

Schüttelt eure goldnen Ketten

Mit Schmaragden und Rubinen,

Und die blanken saubern Spangen

Blitz und Klang zugleich.

Aus des feuchten Abgrunds Betten

Aus den Gräbern und Ruinen

Himmelsrosen auf den Wangen

Schwebt ins bunte Fabelreich.

Könnte doch die Menschen wissen

Unsre künftigen Genossen,

Daß bei allen ihren Freuden

Wir geschäftig sind.

Jauchzend würden sie verscheiden

Gern das bleiche Dasein missen

O' die Zeit ist bald verflossen

Kommt Geliebte doch geschwind.

Helft uns nur den Erdgeist binden

Lernt den Sinn des Todes fassen

Und das Wort des Lebens finden;

Einmal kehrt euch um.

Deine Macht muß bald verschwinden,

Dein erborgtes Licht verblassen,

Werden dich in kurzem binden,

Erdgeist, deine Zeit ist um.