Kriegslied des Mais

L. Reichardt

Wenn des Frühlings Wachen ziehen,

Lerche frisch die Trommel rührt,

Ach da möchte ich mit ziehen,

Ach da werd ich leicht verführt,

Handgeld Druck und Kuß zu nehmen

Und ich kann mich gar nicht schämen.

Wie die Waffen helle blinken,

Helle Knospen brechen auf,

Und die Federbüsche winken

Von Kastanien obenauf;

Blühen, duften, wehen, fallen,

Und ich muß so lockend schallen.

Wie gefährlich sind die Zeiten

Wenn die Bäume schlagen aus,

Und ich warne euch bei Zeiten

Eh Sallat auch schießet aus;

Kinder ihr müßt ihn bestehen

Die im Grünen sich ergehen.

Wird so viel Quartier bestellet,

Ach so wird es mir zu eng,

Wie der Dienst mir wohlgefället,

Schon zum Spaß ich mit euch schwenk';

Schwenk' wie Blätter in dem Winde,

Immer anders, kühl und linde.

Schwinge nur die bunten Fahnen

Apfelblüt in Morgenlust,

Ja ich schwör dir und wir bahnen

Gleichen Weg in freier Brust;

Was im Frühling treu verbunden

Wächst zusamm' für alle Stunden.