Lieblich prangt uns der Blumen Fülle

L. Reinicke

Lieblich prangt um uns der Blumen Fülle

Zart umwebt von grüner Blätter Hülle;

Aber schöner noch, als Floras Pracht,

Eines doch der treuen Liebe lacht.

Süß durchduften sie die reichen Auen

Wenn des Abends Tropfen auf sie thauen;

Mehr als Duft, den sie so süß verstreun,

Mag noch Eins die treue Lieb' erfreun.

Liebe kann nur Liebe ganz beglücken;

Liebe schauet in der Liebe Blicken

All' ihr Holdes nur, der Liebe Ton

Gibt der treuen Liebe schönsten Lohn.

Holde Lieder froher Vögel schallen

Aus der Haine dicht gewölbten Hallen;

Doch mit Himmelsglück, mit sel'ger Lust

Füllt nur Eins der treuen Liebe Brust.

O was nur der Liebe mag gefallen,

Blumen, Lieder, gern das Best' aus allen

Brächt' als Opfer sie zum Hochaltar,

Brächt' als Sinnbild ihres Glücks sie dar.

Doch nicht Töne, Düfte, Farben können

Ihres Herzens Vollgefühle nennen;

Selber engelmild und engelrein,

Bleibt ihr Bild, ihr Opfer, Lieb' allein.