Still und hell ist mein Gemüth

L. Rosenfeld

Still und hell ist mein Gemüth,

Wie im Herbst ein Sonnentag,

Und doch fühl' ich, daß im Innern

Wie durch Lenzes Zauberschlag

Eine junge Schöpfung blüht.

Hast du noch nicht ausgeglüht,

Meiner Jugend Sonnenschein,

Und wenn jetzt der Winter käme,

Würd' er mir in Blüten schnei'n,

Wie im ewigjungen Süd?

Ach, und meiner Flügel Schwung

War so traurig schon gelähmt!

Denn ich habe sterben sehen;

Und nun fühl' ich fast beschämt

Mir zum Leben Muth genung.

Wäre nicht Erinnerung,

Schiene Traum, was Leben war!

Aber wen die Götter lieben,

Stirbt er auch im grauen Haar,

Dennoch stirbt er ewigjung.