Abendgang

L. Saar

Durch die kühle Herbstesmondnacht

Sind wir stumm dahingeschritten,

Träumrisch-stille lag das Städtchen

Mit dem Kirchlein in der Mitten.

In den niedern Giebelhäusern

Ist kein müdes Auge munter,

Nur der Türmer schaut von droben

In die klare Nacht hinunter.

Laß und wandeln, süßes Liebchen,

Holdumschlungen, ohne Zaudern,

Nimmer wird's der gute Alte

Unsern bösen Nachbarn plaudern.

Was er unten hier erlauschte,

Seinen Glocken wird er's sagen,

Und die werden's morgen frühe

Weit in fremde Lüfte tragen.