Nachruf
L. Schlegel
Wohl geh' ich täglich andere Pfade, bald
Ins grüne Laub im Walde, zur Quelle bald,
Zum Felsen, wo die Rosen blühen,
Blike vom Hügel ins Land, doch nirgend
Du Holde, nirgend find ich im Lichte dich
Und in die Lüfte schwinden die Worte mir
Die frommen, die bei dir ich ehmals
Ja, ferne bist du, seeliges Angesicht!
Und deines Lebens Wohllaut verhallt von mir
Nicht mehr belauscht, und ach! wo seid ihr
Zaubergesänge, die einst das Herz mir
Besänftiget mit Ruhe der Himmlischen?
Wie lang ist's! o wie lange! der Jüngling ist
Gealtert, selbst die Erde, die mir
Damals gelächelt, ist anders worden.
Leb immer wohl! es scheidet und kehrt zu dir
Die Seele jeden Tag, und es weint um dich
Das Auge, daß es helle wieder
Dort wo du säumest, hinüberblike.