Um Mitternacht
L. Schlegel
Streu duftlos-weisse Violen
Rings auf mein Kissen her:
Bald wandeln auf leisen Sohlen
Schemen am lichtlosen Meer.
In langen Gewanden gehn sie,
Geneigt ihr blass Gesicht,
Und murmeln - vielleicht erflehen sie
vom Tod, was er verspricht.
Sie starren und strecken, noch blasser
Die Arme über's Meer,
Und es weinen die schwarzen Wasser
Sie wandeln und seufzen schwer.
Schon kehren zurück die Gestalten,
Doch blicken mich an noch fest,
Auf die Seele mir fühl' ich die kalten,
Gestorbenen Lippen gepresst.
Bis fern der Zug entgleitet
Und schwindet in fahlem Flor
Und klanglos ihr Fuss durch schreitet
Das echolose Tor.