Die Königin und der Schäferknabe
L. Schlösser
Sie faß auf ihrem hohen Throne
Den Seepter in der weißen Hand,
Auf ihrem Haupt die güldue Krone,
Die Königin von Morgenland.
Der Schäferknabe kam gegangen
Mit feiner Herde wohlgemuth;
Er sah und sah den Thron nicht prangen,
Er sahe nicht des Goldes Glut.
Er sah zwei himmelblaue Sterne
Und eine lilienweiße Hand;
Die Herde trieb er in die Ferne
Aus seinem schönen Vaterland.
Die Königin schickt ihre Frauen
Nach dem verirrten Schäfer aus;
Sie suchen über Berg und Auen
Und finden manchen welken Strauß.
Und an des Abendmeeres Strande
Da weidet seiner Lämmer Schar;
Der treue Hund liegt in dem Sande
Und spielt mit einem blonden Haar.