Mein Schatz hat mich verlassen
L. Schlottmann
Mein Schatz hat mich verlassen,
Zog hin zur Wacht am Rhein,
Von frecher Feinde Schaaren
Das deutsche Land zu wahren,
musst' ach! geschieden sein!
Er kam zur Abschiedsstunde
Im schmucken Waffenrock,
Und thät zum Angedenken
Als Liebespfand mir schenken
Den schönsten Myrthenstock.
Und sprach: Den heg' und pflege
Als wie dein höchstes Gut,
So lang' er frisch wird bleiben,
So lang' er grün wird treiben,
Verbleib' ich wohlgemuth.
Und kehrt die Zeit des Friedens
Nach blut'gem Waffentanz,
Den Lorbeer will ich binden,
Die Myrthe grün dir winden,
Traut' Lieb', zum Hochzeitstanz.
Drauf thät er von mir scheiden,
Hab' seiner Treu gedacht,
Die Myrthe unvergossen
Mit Thräne schier begossen
Bei Tag und stiller Nacht.
Verwelkt, ach, sind die Myrthen,
Verwelkt, ach, ist mein Glück,
Mein Schatz hat nicht geschrieben,
Mein Schatz ist ausgeblieben,
Kehrt nimmermehr zurück.