Der erste Kuss

L. Spohr

Die Lippe brennt, die Wange glüht,

Verlangen sprüht das düstere Auge in Thränen;

wer kühlt die Gluth, wer stillt das Blut,

wo endet das endlose Sehnen?

Das Wort erstirbt, die Seele bebt,

verzagend hebt das Herz sich in hoffender Liebe,

wer hemmt die Fluth, wer stärkt den Muth,

wer hellet die nächtliche Trübe?

Das Leben blüht, es ruft die Lust!

an Liebchens Brust wohnt selige Ruhe hinieden;

der Liebe Gruß, der erste Kuß

bringt kosend den himmlischen Frieden.