Die Stimme der Nacht
L. Spohr
Dort im Thal hör ich verhallen
fern und nah der Glöckchen Schallen,
sehe nur an Gletscherspitzen
Phöbus Strahl noch matt erblitzen;
seh' den Stern am Himmel blinken,
still in Nacht die Flur versinken;
Ach! Und mir gedrängt im Herzen
toben wild der Liebe Schmerzen!
Ungehört erschallt mein Klagen
durch die Nacht vom Wind getragen;
ahndet sie, die hoch ich ehre,
welche Glut mein Herz verzehre?
Nein, erschallt in stillen Lüften
mir ein Ton aus Bergesklüften,
und es ruft: was nützt dein Bangen?
Nicht erfüllt sie dein Verlangen.
Nicht erhört sie dein Verlangen.
Fliehe fern, o Armer! Ferne,
nach dem Wink der Schicksalssterne
und ergieß' in stillen Thränen
einsam dann dein Liebessehnen.