Gondelfahrt

L. Spohr

In den Wassern der Laguna

Schwimmt das goldne Bild der Luna,

Kühlung haucht der sanfte Wind,

Und die schlanke Gondel flieget

Von den Fluten fort gewieget

Unaufhaltsam, pfeilgeschwind.

Welch ein Schweben, welch ein Wogen

Bei des Mondes Zauberschein

Durch die hohen Brückenbogen,

Durch die Gassen aus und ein!

[Kuppeln rings und Prachtpaläste,

Alle Fenster hell vom Feste,

Alle Pforten bunt geschmückt;

Von den prächtigen Altanen

Duften Rosen, flattern Fahnen,

Wehen Kränze kaum gepflückt.

Und des Reigens volle Töne

Und der Zither Liebesklang

Schweben in vereinter Schöne

Grüßend den Kanal entlang.

Hoch am veilchenblauen Himmel

Zieht der Sterne Goldgewimmel

Leuchtend die gemess'ne Bahn,

Aber schön're Sterne schauen,

Schwarze Augen holder Frauen,

Mich aus jedem Fenster an.

Und darunter purpurblühend

Wange, Lippen voll von Pracht,

Dass du glaubst, es breche glühend

Morgenrot durch finstre Nacht.]

Schöne Lippen, rote Wangen,

Könnt' ich durstig an euch hangen,

In mich saugen eure Glut!

Dunkle Augen, Liebessterne,

O wie taucht' ich mich so gerne

Ganz in eure Strahlenflut!

Doch vorbei! -- Die Gondel flieget

Fort von eurem Wunderschein,

Und in Märchenträumen wieget

Mich der Klang der Zither ein.