Liebesschwärmerei

L. Spohr

Wär ich ein

Vögelein,

flög' ich zu ihm!

Flög' durch die bläulichen Lüfte,

fort über Meere und Klüfte,

flöge ohn' Rast, ohne Ende,

bis den Geliebten ich fände,

und ihn ereilte mein Blick.

Doch ach! Ich bin kein

Vögelein,

muß bleiben, wo ich bin!

Könntet ihr

Wolken mir

Bothen doch seyn!

Sollt't ihr vom Winde getrieben

Kunde mir bringen vom Lieben,

sollt't ihr auf eilenden Schwingen

ihm meine Klagen zubringen,

künden den nagenden Schmerz.

Doch ach! Ihr könnt kein

Bothe seyn,

vergebens war mein Wunsch!

Flößest Du

Meer ihm zu,

Grünliche Fluth,

Würd' in die wogenden Wellen,

Wenn sie vom Winde hoch schwellen,

Schäumend den Felsen umschließen,

Schneller und schneller stets fließen,

Kühn ich mich stürzen hinein!

Doch ach! Es strömst Du

Ihm nicht zu,

Denn fern vom Meer weilt er!