Trostlos
L. Spohr
Der Regen rasselt, es sauset der Sturm,
Die Fahne knarrt auf dem Kirchenthurm;
Die Sterne verloschen seit Mitternacht,
Und Alles schlummert, ich halte Wacht.
Ich halte Wacht, daß dies morsche Herz
Nicht schlummernd träume von Trost in Schmerz,
Ich halte Wacht, daß mein Aug' sich nicht schließt,
Geschlossenes Aug' keine Thräne vergießt.
Den Zugang hatt' ich dem Schmerz versagt,
Ich Narr, ich hatt' mich mit Hoffnung geplagt,
Jetzt öffn' ich die Brust dir, jetzt ziehe herein,
Komm Schmerz, ich will dein Leibeigener sein.
Ich Thor, ich glaubte, es tödte der Schmerz,
Es schlägt noch fort das gebrochene Herz,
Vor Gram hat Mancher zu sterben gemeint,
Und Keiner hat je sich zu Tode geweint.
Doch hat sich Mancher schon todt gelacht?
Nun wohl, so lach' ich hinein in die Nacht,
Nur kecker und lauter der Hölle zur Lust,
Es muß ja endlich doch springen die Brust!