Daheim
L. Stark
Daheim, daheim! es klingt das Wort
Mir tief im Herzen fort und fort
Und schafft mir bittre Leiden.
Und doch, mir ist ganz recht geschehn,
Wer hieß mich in die Fremde gehn
Und von der Liebsten scheiden?
Daheim, daheim sitzt sie wol jetzt
Und sinnt und spinnt und weint und netzt
Den goldnen Flachs am Rocken;
Der Faden reißt, sie merkt es nicht,
Es wallen tief ihr ins Gesicht
Die reichen blonden Locken.
Daheim, daheim! o tröst' dich, Lieb,
Und wein' dir nicht die Augen trüb',
Ist Scheiden doch nicht Meiden.
Und bist du dort und ich bin hier,
Mein Herz ist alle Zeit bei dir,
Ob Berg und Thal uns scheiden.
Daheim, daheim! und wenn es lenzt,
Das Thal mit Veilchen sich bekränzt
Und alle Knospen springen:
Thu auf, thu auf dein Kämmerlein,
Dein Liebster naht, will Sonnenschein
Auch seinem Röslein bringen.