Die Insel der Vergessenheit

L. Thuille

Liegt irgendwo im weiten Meer

Ein selig, weltverloren Land,

Still ziehn die Wolken drüber her,

Und leise ebbt die Fluth am Strand.

Uralte Bäume grünen dort

Und wölben sich zum dichten Hain,

In den drang nie ein Menschenwort,

Nie eines Menschen Blick hinein.

Aus purpurroten Kelchen steigt

Ein seltsam süßer, müder Hauch,

Versonnen sich der Himmel neigt

Und reglos träumen Busch und Strauch.

Am Ufer schaukelt sich ein Kahn,

Die Wellen plätschern sacht am Kiel.

Wen holt er ab auf weiter Bahn,

Wen trägt er her zum selgen Ziel?

Ach, daß der Kahn mich holen müßt'

Aus dieser bangen, bangen Zeit,

Daß ich den Weg zu finden wüßt

Zur Insel der Vergessenheit.