Seitdem du mich verlassen hast

L. von Erlanger

Seitdem du mich verlassen hast,

Verließ mich auch der Schlummer,

Unrast ward mein beständiger Gast,

Mein Bettgenoß der Kummer.

Ich glaub', auch du hast viel geweint,

Dein Auge sah ich glänzen;

Nun bist du ruhig, wie es scheint,

Und fährst zu Spiel und Tänzen.

Da stellt' ich mich an's Treppenhaus

In's gaffende Gedränge:

Ein Wagen hielt, du stiegst heraus,

Und Lob gieng durch die Menge.

Wie schien dein Putz zum Hohn mir gar!

Anstatt der Myrtenkrone,

Die einst ich träumt', umfieng dein Haar

Ein Kranz von rotem Mohne.

Die Blumen der Vergessenheit

Trugst du mit Lachen und Scherzen,

Da dacht' ich der vergangnen Zeit

Und sprach zum klopfenden Herzen:

Heut macht sie Glück, denn leicht und bunt

Trägt sie im Haargeflechte

Als Schmuck für eine lustige Stund

Den Schlummer meiner Nächte.