Wenn Nächtens du den kleinen Schuh

L. von Erlanger

Wenn Nächtens du den kleinen Schuh

Von deinem Füßchen streifest

Und in die braunen Haare du

Mit lichten Händen greifest,

Um lächelnd vor dem Spiegel dann

Dein Häubchen festzustecken:

Fällt's dich nicht manchmal plötzlich an

Wie heimliches Erschrecken?

So daß du eilig Hals und Brust

Verbirgst in den Gewänden,

Weil du vermeinst, ich wäre just

Still hinter dir gestanden?

Denn wenn im dunklen Schooß der Nacht

Die Dinge rings versanken,

Dann wandern zu dir glutentfacht

Die schwärmenden Gedanken;

Dann brennt mein Blut in wildem Leid,

So daß ich oftmals wähne,

Du fühltest in der Einsamkeit,

Wie ich nach dir mich sehne.