Der Kellergeist zu Weinsberg, genannt "der Klopferle"
L. Wallbach
Ein Geist, in Weinsberg wohl bekannt,
Wird dort der Klopferle genannt,
Stadtküfer einst, kann ob der Sünden
Im Grab er keine Ruhe finden,
Wer ihn im Rathauskeller sieht,
Der schreit, indem er aufwärts flieht:
"[Den Klopferle, den Klopferle,
Ich hab, ich hab den Klopferle,
Den Klopferle gesehn!] "
Jedoch, er ist als Geist nicht schlimm,
Nach Besserung gelüstet ihm.
Er schaut prophetisch in die Ferne
Und kündet drum auch froh und gerne
In heil'ger Christnacht, wann der Wein
Wird nächsten Herbst ein guter sein.
Dann klopft er, klopft und klopft und klopft,
Wie er als Küfer hat geklopft,
[Im Kellerraum, der Klopferle,
Dann in der Christnacht klopft.]
Die Christnacht heuer war ganz stumm,
Da plötzlich tönt es: Bum! bum! bum!
Bumbum! Die Rathausfässer alle,
Erklangen laut mit hellem Schalle,
Und alles rief gar hocherfreut:
"Hört! hört! was uns wird prophezeit:
Ein Herbst kommt, wie in Kanaan,
[Der Klopferle, der Klopferle
Der Kellergeist, der Klopferle,
Der Klopferle zeigt's an!]
Jetzt, wo ein Faß ist, trinkt es leer,
Daß drinnen bleibt kein Tropfen mehr!
Denn wenn der Glücksherbst tut erscheinen,
Muß Platz sein all den neuen Weinen,
Und zum Willkomm soll unser Sang
Weit dröhnen Stadt und Tal entlang:
"Der Klopferle, der Klopferle,
Der neue Wein, der Klopferle,
Es lebe hoch der Klopferle,]
Der Klopferle leb hoch!"