Der Thräne Lust

L. Witt

Wird mir so wunderlich,

Träne, wie neid' ich dich!

Blühest im Auge blau

lieblich wie Morgentau;

zitterst am Augenhang,

Träne wohl bleich und bang,

träumst in der Augen Schoß

du dir noch schön'res Los,

blick' in der Augen Glanz,

fühle die Wonne ganz.

Wird mir so wunderlich,

Träne, wie neid' ich dich!

Träne, was bebest du,

findest noch süß're Ruh'.

Gleite nur lind und leis'

über die Wange heiß;

Sterben auf Wangen rot,

wär' es nicht süßer Tod?

Träne, dein Schmerz sich bricht,

sage, was weilst du nicht?

Wird mir so wunderlich,

Träne, wie neid' ich dich!

Tauchst zu dem Herz hinab,

suchst dir ein Wellengrab;

sonder Schmerz, sonder Harm

ruhst du am Busen warm.

Träne, dein Los ist schön,

möchte wohl mit dir geh'n.

Wird mir so wunderlich,

Träne, wie neid' ich dich!