Frau Luna, in fahlgrauem Kleide
Léon Jongen
Frau Luna, in fahlgrauem Kleide,
im blauen Samt und grünen Satin
ihrer opalgedeckten Salons
empfängt sie die Reimer.
Und mit topasbekränzter Stirn,
inmitten duftiger Wolkenkissen,
lauscht sie in geheuchelter Verzückung
den Gesängen ihrer wunderlichen Gefolgschaft.
Unser Hoffen, unser Begehren, unsere Freuden, unser Leiden
kennt sie seit zehntausend Jahren!
Unsere Herzen von den Schrecken zu heilen,
die das eisige Lächeln der Frauen, ihrer Schwestern, verbreitet,
schmückt sie launig ihr Lächeln
mit schmeichelnder Süße.
Wenn dann der Sternenglanz verblasst,
der von weither verschwommen flimmert,
geht sie langsam daran, ihre Schleier
unter ihren azurblauen Behängen zu lösen.
Man glaubt, sie schliefe, ermattet und allein,
aber ihr perlmutterner Wagen mit schimmernden Achsen
trägt sie in fliehendem Lauf um die Erde
und bereits unter anderen Himmeln.
Frau Luna, in fahlgrauem Kleide,
im blauen Samt und grünen Satin
ihrer opalgedeckten Salons
empfängt sie die Reimer.