Des erwachenden Kindes Lobgesang
Liszt, Franz
O Vater, den mein Vater ehret,
den knieend preist das Erdgefild,
o du, dessen Nam erhaben mild
Mutterstirn zur Erde hinkehret!
Die Sonne selber, sagt man mir,
ist nur ein Schmuck in deinen Händen,
als ewges Licht will Strahl sie spenden
im Himmelsgotteshaus vor dir.
Ich weiss ja, die tonvolle Kehle
gabst nur du den Vögeln der Flur,
und um suchend zu gehn deine Spur,
gabst schon dem Kinde du die Seele,
Nur du weckst im Erdenschoss
die Blumen, die so bunt erglühen,
denn ohne dich kann nichts erblühen,
und der Garten wär früchtelos.
Zur Gabenfülle reich begnadet,
du rufst die ganze Welt herzu,
und kein Würmlein vergissest du,
wenn uns Natur zum Festmahl ladet.
Das Lamm nagt an des Grasesschaft,
das Zicklein erlaben Staud und Beere,
und das auch ihm sich Lust beschere,
am Milchkrug Mücklein saugt den Saft.
Und die Lerchen das Körnlein pikket,
wo sammelnd ein Schnitter noch weilt,
Zur Futterschwing' der Sperling eilt,
und das Kind zur Mutter aufblikket.
Und wenn Füll und Lust uns umwob,
und wenn dein Schirm uns hält geborgen,
hell am Tag und nachts und am Morgen,
was tut Not? Deines Namens Lob.
Mein Gott, lass dem Quell Flut entstrahlen,
Flügel verleih dem Vögelein,
und dem Lamm gib sein Kleid weich und rein,
gib Tau und Schatten Berg und Talen!
Gib Kranken neuen Lebenstrieb
und Brot dem Mann am Bettelstabe,
den armen Waisen Trost und Labe,
und dem Gefangnen Freiheit gib!
Segne jene hütte der Erde,
wo treulich dir Herzen sich weihn,
lass mich gut, lass mich glücklich sein,
das meine Mutter glücklich werden.
Mache mich gut, ob ich auch klein,
wie im Tempels heiligem Baue das Kind,
das im Bilde ich schaue, das mir winkt,
ruh ich noch im Frühsonnenschein.
Zeig zur Gerechtigkeit die Wege,
auf die Lippen mir Wahrheit streu,
dass voll Gottesfurcht und getreu,
in dem Herzen tief dein Wort ich hege.
Gib, dass mein Wort dein Ohr erreich,
wie zu dir des Weihrauches Wellen,
der Urne dringen und schwellen
in der Hand des Kinds, dem ich gleich.