Die Perle
Liszt, Franz
Ich bin des Meeres zartweiße Tochter,
Es war die Muschel
Die mich gebar.
Dort in der Enge meiner dunkeln Wiege
Friedlich ich liege,
Sicher vor Gefahr.
Zärtlich am Busen die Mutter mich heget;
Treulich sie pfleget
Und schirmet sie mich.
Habe nach Luft nicht, nach Licht kein Verlangen,
Bin nicht gefangen,
Nein, frei bin ich.
Weh! wenn gewaltsam aus Mutterarmen
Man ohne Erbarmen
Grausam mich doch
Entführen könnte zum Licht dem grellen
Aus blauen Wellen
Ins Sklavenjoch!
Wenn auf dem Markt ich wäre zu sehen,
Verkauft zu gehen
Von Hand zu Hand,
Nur an die Reichen, die kaum mich achten,
Mich nur betrachten
Als Spiel und Tand.
Endlich wohl fügte man fast wie zum Hohne
In eine Krone
Von Dornen mich.
Gleich einer Träne dann aus wundem Herzen
In Trennungsschmerzen
Dort glänzte ich.