Gastibelza

Liszt, Franz

Gastibelza, der greise, kühne Jäger,

dies Lied begann:

Wer kannte sie von euch, Donna Sabine?

Ja, saget an!

O tanzt und singt, liebe Leute! In Dunkel

hüllen sich die Berge schon.

Der rauhe Wind, der durch die Klüfte heulet,

klingt mir wie Hohn.

Schön war sie, o ihr wißt es wohl, Sabine,

doch leicht von Sinn.

Sie war das Kind des alten

Berberweibes, der Pächterin.

Unheimlich war das Weib: für

Eine Hexe gar hielt man sie schon.

Der rauhe Wind, der durch die Klüfte heulet,

klingt mir wie Hohn.

O tanzt und singt! Was euch

Die Stunde schenkt, verschmäht es nicht!

Sie war so jung, war so hold! Reizend

war ihr süß Gesicht.

O gebt dem Greis, der euch dies singt, gebt dem

Armen! Ja, spendet ihm nur einen Heller zum Lohn!

Der rauhe Wind, durch die Klüfte heulend,

klingt mir wie Hohn.

O tanzt und singt, liebe Leute! Dunkel

rings umhüllt die Berge schon.

Doch eines Tages

verkaufte Sabine ihre Reize

und ihre Liebe

füreinen Ring des Grafen

von Saldagna, für schnödes Gold.

Der rauhe Wind, der durch die Klüfte heulet,

klingt mir wie Hohn!

Auf diese Bank, vergönnt es mir, muß

ich mich niederlassen!

Ich bin so schwach. Mit ihrem

Grafen ist sie dann entflohn, weit

in die Welt, durch Berg und Tal; keiner

wußte, wo sie dann blieb.

Der rauhe Wind, durch die Klüfte heulend,

klingt mir wie Hohn!

Von meinem Fenster aus konn't ich sie sehn

vorübergehn. Dann war's vorbei. Was

ich seit jenem Tage leide, man

ahnt es nicht: in dumpfer

Qual, die Seele ohne Rast

und Ruhe, voll Rost der Stahl.

Der rauhe Wind, der durch die Klüfte heulet,

er klingt wie Hohn!