Kling leise, mein Lied, durch die schweigende Nacht
Liszt, Franz
Kling leise, mein Lied, durch die schweigende Nacht,
Kling leise, daß nicht die Geliebte erwacht!
Behutsam zu ihren Fenstern hinauf,
Kling leise, mein Lied, und wecke sie nicht auf!
Kling leise mein Lied, kling leise und sacht,
Dass die Geliebte nicht erwacht!
Umschlinge sie sanft, wie die Ranke den Baum
In Liebe umschlingt mit dem Blütentraum,
Und singe verzückt, wie die Nachtigall singt,
Die der Rose ein klingendes Ständchen bringt.
Erwecke sie nicht mit zu stürmischem Gruß,
Tritt behutsam nur auf, wie des Pilgers Fuß
Hin durch den heiligen Tempel geht,
Still klinge dein Gruß, wie ein leises Gebet!