Weimars Volkslied

Liszt, Franz

Von der Wartburg Zinnen nieder

Weht ein Hauch und wird zu Klängen,

Tönt an Ilm und Saale wieder

Laut in hellen Festgesängen.

Und vom Land, wo sie erschallten,

Tönt's in alle Welt hinaus:

Möge Gott dich stets erhalten,

Weimars edles Fürstenhaus!

Hochgepries'ner Helden Wiege,

Wirkungsstätte hehrer Frauen,

Felsenfest in Leid und Siege

Zierest du die deutschen Gauen.

Deiner Ahnen weises Walten

Strömet Segen auf dich aus:

Möge Gott dich stets erhalten,

Weimars edles Fürstenhaus!

Sterne, strahlend allen Weiten,

Waren Perlen deiner Krone,

Geister, lebend allen Zeiten,

Lebten nahe deinem Throne.

Großer Dichter Erzgestalten

Schau'n wir stolz und rufen aus:

Möge Gott dich stets erhalten,

Weimars edles Fürstenhaus!

Alte Sage deutscher Treue

Lebe fort in Fürst und Bauer,

Volkesliebe sei die neue,

Die lebend'ge Wartburgsmauer.

Laßt die Banner uns entfalten,

Heut' wie stets der Zeit voraus!

Möge Gott dich stets erhalten,

Weimars edles Fürstenhaus!

Möge Segen dir entsprossen

Aus vereinten Sarkophagen,

Wo unsterbliche Genossen

Diadem und Lorbeer tragen.

Aus geweihter Gräber Spalten

Brechen Lebensblumen aus:

Möge Gott dich stets erhalten,

Weimars edles Fürstenhaus!