Am Klosterbrunnen

C. Loewe

Im düstern Klostergarten

Ein einsam Brünnlein steht,

Das plätschert leise, leise

Von Blätterduft umweh

Es klingt wie heimlich Beten,

Es klingt wie süßer Gruß

Es klingt als wie ein letzter,

Ein bittrer Liebeskuss.

Es klingt wie fernes Weinen,

Als wie ein ferner Sang,

Es stimmt die Brust so wonnig,

Und doch so wehmutsbang.

Von Düsterkeit umgeben,

Wie horch? ich nur allein

Dem Quell, der so bezaubernd

Zum Becken quillt hinein.

Wie fern von hier, wie ferne

Sind Leben, Lust und Schmerz!

Es regt sich nur der Brunnen,

Es regt sich nur mein Herz.

O Herz, hör auf zu schlagen,

Versieg, o Brünnlein du!

Dann wäre wohl im Garten

Daheim erst recht die Ruh.