Das heilige Haus in Loretto

C. Loewe

Wolke lichtweiß in dem Blauen,

Reiner Schwan im Äthermeer!

Ach, wie glänzend anzuschauen!

Engel seh ich um dich her!

Hold erblüht ein Regenbogen!

Du, o Himmelskönigin,

Auf ihm thronend, blickst gewogen

Auf die Welt der Sünde hin!

Heil'ge Jungfrau, die Erscheinung

Überwältigt meinen Geist,

Lehre du mich ihre Meinung,

Was sie kündet, was verheißt!

Und der Schimmer läßt, geteilet

Durch des Morgenhauches Wehn,

Auf der Wolke, die enteilet,

Schilfbedeckt ein Hüttchen sehn,

Und der Wandrer höret sagen

Deutlich: "Das ist Christi Haus,

wo in seinen Kindestagen

Gottes Sohn ging ein und aus.

Vor den Heiden es zu bergen,

Führen wir es schiffend fort,

Siehe, wir sind Christi Fergen

Und Loretto unser Port."

Seid gesegnet, treue Wächter!

Aber weh um Christi Grab,

Das die Rotte der Verächter

Mit der Drachenhut umgab!

Und herab vom lichten Orte,

Von des Regenbogens Höh'n

Fliessen gnadenreiche Worte,

Helig säuselndes Getön:

"Dankt dem Herrn, der euch zu trösten,

Christi Haus euch heute gab,

Doch ein Kampf ziemt den Erlösten

Glaubensvoll um Christi Grab."