Das Muttergottesbild im Teiche

C. Loewe

Im schönen Land Tirol

Hab ich mir lassen sagen,

Was da sich zugetragen

Vor langen Jahren wohl.

Einsmals ein Jägersmann

Geht irr in wilden Gründen,

So daß er lange finden

Wohl keinen Ausweg kann.

Er kommt an einen Teich

Mit spiegelklarer Welle,

Draus deine sanfte Helle

Ihn anlockt Monden gleich.

Und siehe klar und mild,

Ist wie gemalt im blauen

Gewässer zu erschauen

Ein Muttergottesbild.

Bald strömt viel Volks herzu

Zum Wunderbild im Teiche,

Und Alle sehn das Gleiche,

Das Bild steht fest in Ruh.

Sie suchen, ob im Grund

Ein solches Bild wohl liege,

Das oben seine Züge

Im Abglanz tue kund.

Doch all vergebens war,

So daß wohl viele meinen,

Vom Himmel widerscheinen

Das Bildnis müsse gar.

Ein Kirchlein bauen dort

Am Teiche fromme Leute,

Und ist daselbst noch heute

Ein heilger Wallfahrtsort.