Das Vaterland

C. Loewe

Fahr hin, fahr hin für alle Zeiten,

Falsches Vaterland!

Und für immer sei zerrissen,

Was mich an dich band!

Also rief, im raschen Zürnen,

Eines Jünglings Mund,

Grünen Stab in kraft'gen Händen,

Zog er fort zur Stund.

Zog hinaus viel hundert Meilen

Über Berg und über Tal.

Schmucke Höhen, bunte Triften

Fand er allzumal.

Volle Becher, süße Blicke,

Manchen Druck der Hand,

Aber ach, es war doch immer

Nicht sein Vaterland.

Und so zog er immer weiter,

Weilte hier und dort,

Aber immer trieb es wieder

Ihn aufs Neue fort.

Jahre schwanden, bleich geworden

War sein braunes Haar,

Was die Heimat ihm ersetzet,

Ist auf Erden nicht!

Und er kann den Ort nicht finden

Unterm Sonnenlicht,

Was die Heimat ihm ersetzet,

Ist auf Erden nicht!

Und den Stab nun lenket wieder

Gramgebeugt der Greis,

nach der Heimat, der verschmähten,

Lenket er die Reis'.

Eine Hoffnung, ach, geleitet

Ihn nur noch zur Stund,

Dort das müde Haupt zu legen

In der Väter Grab.

Und mit Schluchzen sinkt er nieder

An dem teuren Ort!

Vaterland, es ist dein Name,

Doch kein leeres Wort!