Der alte König

C. Loewe

Es geht ein alter König

lustwandeln vor seinem Schloss

und mit ihm geht der Kummer,

der ist sein alter Genoss.

Sein Haar, einst schön und golden,

ist nun so weiss wie Schnee,

sein Blick, einst kühn und feurig,

ein nebeltrüber See.

Die Wang', einst frisch und glühend,

ist nun gefurcht und bleich,

das Königsherz im Busen

allein nur blieb sich gleich.

So geht er hin und sinnet,

vom Frühlingshauch umweht,

als eine Magd vorm König hold

wie ein Röslein steht.

Viel gelber sind ihre Locken,

als die Krone, mit güldenem Glast;

viel blauer sind ihre Augen,

als der Stein, der dreingefasst;

Viel röther sind ihre Lippen,

als des Königs Pupur ist,

viel weisser Brust und Stirne,

als der Pelz, der ihn umfliesst.

Lang' schaut der alte König

wohl auf die junge Magd,

und was sein Herz erbebet,

zu wohl sein Blick nur sagt.

Lang schaut auf sie der König

und nimmt darauf die Kron',

setzt sie aufs Haupt der Schönen

und wanket stumm davon.