Der alte Schiffsherr

C. Loewe

Ist der alte Schiffsherr endlich

heimgekehrt von letzter Fahrt,

will nun scheiden,

will die See für immer meiden,

leben nach des Landmanns Art.

Und es steht auf schönen Fluren

ihm ein blankes Haus gar bald,

Obst und Trauben

reifen ihm in duft'gen Lauben

und zur Lust ruft Feld und Wald.

So in einem ird'schen Eden

weilt er nun van Lust erfüllt,

ohn' Ermatten,

froh geschäftig und kein Schaffen

hat ihm noch die Stirn' umhüllt.

Sieh, da schwingen weisse Möven

ihre Flügel über seines Giebels Saum.

Ihre Flügel,

meerwärts über Berg und Hügel,

segeln durch der Lüfte Raum.

Fast erschrocken schaut sein Auge

ihnen nach auf wirrem Flug.

Da gesellet

auch sein Herz, das wonnig schwellet,

unvermerkt sich zu dem Zug.

Und vor seinem Innern tauchet

plötzlich wieder auf das Meer,

ach! die Wellen

sieht er wieder schäumen, schwellen,

endlos, goldbesäumt und hehr!

Sieht die weissen Segel wieder

Schwänen gleich, die See entlang,

bunte Flaggen

lustig durch die Lüfte ragen,

hört der Schiffer frohen Sang!

Und wie Heimweh fasst's den Alten,

nicht erträgt er solchen Drang.-

Feld und Garten

mag er nun nicht länger warten,

und im Hause wird ihm bang.

Bald am Meere steht er wieder,

breitet weit die Arme aus:

Seid, ihr Fluten,

mir gegrüsse mit Liebesgluten,

nur bei euch bin ich zu Haus!

Und ein Schiff besteigt er schnelle,

das soeben stösst vom Strand,

selig, heiter

zieht er mit den Schiffern weiter,

und mag nimmer heim an's Land!