Der Drachenfels

C. Loewe

Sag an, was hinauf zur Drachenkluft

Die bunt bewegte Menge ruft?

Voran eine Jungfrau, so rosig und hold;

Einen Lilienkranz in der Locken Gold?

»Der Heiden Beute, die Christenbraut,

So heut dem Drachen wird vertraut!«

Dort oben schimmert der Blutaltar,

Bang starrt hinauf die verstummte Schar.

Seht an der schwarzen Felsenwand

Die Jungfrau im weißen Lichtgewand!

Schon hört man den Drachen keuchend nah'n,

Die gewohnte Beute zu empfahn.

Und aus dem giftigen Felsenspalt

Wälzt sich die gräßliche Missgestalt.

Der Jungfrau naht das Ungetüm,

Ein Sprung noch, ein Hauch und sie ist dahin.

Da hält sie aus des Busens Flor

Ein Crucifix ihm betend vor,

Und wie der Drache dies Bildnis schaut,

Da ächzt er gewaltig und knirschet laut,

Vom Felshang stürzt er sich zischend hinab,

Im Abgrund empfängt ihn das gähnende Grab.