Der Edelfalk

C. Loewe

Die Fürstin zog zu Walde

Mit Jägern und Marschalk;

Da sah sie reiten balde

Ein junger Edelfalk.

Er sprach: „Wie klirrt dein Bügel;

Wie glänzt Agraff' und Tress';

Wie locker hängt dein Zügel,

Holdselige Prinzess!

Wie sitzest du zu Pferde

So königlich und schlank!

Wie weht zur grünen Erde

Dein Schleier weiß und lang!

Wie nickt dein Hutgefieder

Vom flücht'gen, wilden Ritt!

Wie zieret deine Glieder

Das knappe Jagdhabit!

O, könnt' ich deinen Reizen

Allzeit ein Diener sein!

Den Reiher wollt' ich beizen,

Herrin, für dich allein!

Ich wollte mit ihm ringen,

Dein starkes Federspiel,

Bis er, mit blut'gen Schwingen,

Zu deinen Füßen fiel'!“

Bezwungen von Verlangen,

Duckt er ins Haideland;

Er läßt sich willig fangen

Von eines Pagen Hand.

Der bietet ihn der Holden

Dar, mit gebog'nem Knie;

Mit einem Ringe golden

Schmückt den Gefangnen sie.

Nun muß er sie begleiten;

Mit seiner krummen Klau'

Muß er für sie bestreiten

Den Reiher, silbergrau.

Er trägt eine Lederkappe,

Sie nimmt ihn mit aufs Pferd.

Burgherr und Edelknappe

Hält ihn des Neides werth.