Der Friedhof

C. Loewe

Tenor

Euer Herz erschrecke nicht, in meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.

Chor

Wie sollt ich vor dem Tode beben...

Tenor

Ich will eich nicht Waisen lassen, ich komme zu euch.

Chor

...da du Erlöser für mich starbst.

Tenor

An demselbigen Tage werdet ihr erkennen,

daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir, und ich in euch.

Chor

Er ist durch dich der Weg zum Leben...

Tenor

Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.

Chor

...das du am Kreuze mir erwarbst.

Tenor

Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir sind,

die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehn,

die du mir gegeben hast.

Chor

Mein Leben will ich dir nur weihn...

Tenor

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Chor

...drum bleib ich auch im Tode dein.

Tenor

Ich gehe zum Vater, denn der Vater ist grösser denn ich.

Soprano

Sanft ruhende Flur in der Mondscheinnacht,

wo die friedlichen Gräber ergrünen,

auf den Hügeln das Kreuz,

und die Reihen entlang der Engel der Seligen wandelnd:

Sei du mir gegrüßt, Laubhütte voll Schlaf,

voll Schlaf und voll himmlischer Träume.

Nicht nenne du Schlaf und nicht nenne es Traum,

hier waltet nur Wachen und Wahrheit:

Das Leben ist Traum, ist an Täuschungen reich,

erst drunter erkennst du dich selber!

Bass

Nach der Täuschung folgt die Klarheit,

Alto

aus dem Irrtum sprießt die Wahrheit,

Bass and Alto

Leben ist des Todes Sohn.

Soprano

Unsre Freunde, die geschieden,

ihr erleuchtet, ihr im Frieden;

was wir suchen, ward euch schon.

Bass

Auf hinunter in die Tiefe,

daß der Engel heut mich riefe

in der Toten heil'ges Reich;

denn des Todes tiefen Wonnen,

wenn der Schein um mich zerronnen,

kommt kein Erdenleben gleich.

Soprano

Doch stille, o Herz, doch stille in dir

des Todes mächtige Sehnsucht!

Die Lüfte so lind und die Sterne so klar,

die Erde ein Keimen und Werden,

und selber der Mensch ein unendliches All

voll göttlicher Kräfte und Gnaden.

Drum reifend leb' und walle mit Lust

und folge der himmlischen Führung:

Dein Leben, du lebst es dem Vater der Welt,

ihm neigt sich das Haupt des Sterbenden,

wenn du verscheidest.