Der Mohrenfürst

C. Loewe

Sein Heer durchwogte das Palmental,

Er wand um die Locken den Purpurschawl;

Er hing um die Schultern die Löwenhaut;

Kriegerisch klirrte der Becken Laut.

Wie Termiten wogte der wilder Schwarm;

Den goldumreiften, den schwarzen Arm

Schlang er um die Geliebte fest:

»Schmücke dich, Mädchen, zum Siegesfest!

Sieh', glänzende Perlen bring' ich dir dar!

Sie flicht durch dein krauses schwarzes Haar!

Wo Persia's Meerflut Korallen umzischt,

Da haben sie triefende Taucher gefischt.

Sieh', Federn vom Strauße, laß sie dich schmücken!

Weiß auf dein Antlitz, das dunkele, nicken!

Schmücke das Zeit! Bereite das Mahl!

Fülle, bekränze den Siegespokal!«

Aus dem schimmernden, weißen Zelte hervor

Tritt der schlachtgerüstete fürstliche Mohr:

So tritt aus schimmernder Wolken Tor

Der Mond, der verfinsterte, dunkele vor.

Da grüßt ihn jubelnd der Seinen Ruf,

Da grüßt ihn stampfend der Roße Huf.

Ihm rollt der Neger treues Blut

Und des Nigers rätselhafte Flut.

»So führ' uns zum Siege! So führ' uns zur Schlacht!«

Sie stritten vom Morgen bis tief in die Nacht.

Des Elefanten gehöhlter Zahn

Feuerte schmetternd die Kämpfer an.

Es fleucht der Leu, es flieh'n die Schlangen

Vor dem Rasseln der Trommel, mit Schädeln behangen

Hoch weht die Fahne, verkündend Tod;

Das Gelb der Wüste färbt sich rot.