Die Dorfkirche

C. Loewe

In einem Dorf, am frühen Morgen,

sah ich ein Kirchlein offen stehn,

und wie's mir freundlich schien zu winken,

trieb mich mein Herz, hinein zu gehn.

Nur wenig Beter fand ich knieen,

denn Werktag war's, und Erntezeit;

ein greiser Priester sprach den Segen

und hielt das heil'ge Mahl bereit.

Da naht ein Weib sich dem Altare,

den zarten Saugling an der Brust,

ihr Antlitz schwamm in Doppelglutender

Andacht und der Mutterlust.

Und als ihr Mund das Brot des Lebens

empfangen aus des Priesters Hand,

sie's kaum berührt mit ihren Lippen

und mit verklärtem Blicke stand:

da drückte schnell in hoher Wonne

sie an den Mund den Säugling zart,

reicht' ihm den Teil der Himmelsspeise,

den sie ihm liebend aufbewahrt.

O süße Macht der Mutterliebe,

du Götterblume dieser Welt,

die Alles teilt, den Leib des Herren

selbst nicht für sich allein behält;

du würdest auch, wie Pelikane

die Brust sich öffnen für die Brut,

noch deine Kinder wohl ernähren

mit deinem Herzensblut.