Die Pfarrjüngferchen

C. Loewe

Herr Pfarrer hat zwei Fräulchen,

Die gar zu niedlich sind,

Sie haben kleine Mäulchen

Und Schühlein wie ein Kind

Und kleine flinke Händchen,

Zu knöppeln Spitz' und Käntchen,

Zu wickeln runde Knäulchen,

Zu drehen Rädchen wie der Wind.

Im selbstgemachten Schöpfchen,

Im Lätzchen selbstgestickt,

Im selbstgeflochtnen Zöpfchen,

Im Strümpfchen selbstgestrickt,

Im selbstgebleichten Schürzchen,

Sie heben rußge Stürzchen,

Und rühren um im Töpfchen

Den Kohl, vom Gärtchen selbstbeschickt.

Am Sonntag, wenn zu lange

Der Vater läßt den Sand

Der Predigt rinnen, bange

Wird ihrer fleißgen Hand,

Verborgen unterm Stühlchen,

Sie halten da ein Spülchen,

Ein Künkelchen im Gange,

Man sieht es nicht im Gitterstand.

Warum sind die Mamsellchen

Geblieben unvermählt?

Sie haben doch Prünellchen

So manchen Herbst geschält.

Die Pfläumchen brieten brotzelnd,

Sie schrumpften ein verhotzelnd,

Daß einem Junggesellchen

Die Lust um anzubeißen fehlt.