Erdbeerliedchen

C. Loewe

Ein Mägdlein an des Felsen Rand

ein nacktes Erdbeersträuchlein fand,

von Sturm und Regengüssen

zerzaust und losgerissen.

Da sprach das Mägdlein leise:

Du arme nackte Waise,

komm mit mir in den Garten mein,

du sollst mir wie ein Kindlein sein.

Drauf macht' es wohl die Wurzeln los

und trug das Pflänzchen in dem Schoss

und spähte still und wonnig

ein Pläztchen kühl und sonnig,

und wühlte in der Erde

mit emsiger Geberde,

und pflanzte nun das Plfänzchen drein

und sprach: Das soll dein Bettchen sein.

Und als die Frühlingszeit erschien,

begann das Pflänzchen schön zu blühn,

wie sieben weisse Sterne;

das sah das Mägdlein gerne.

Da wurden sieben Beeren,

als ob's Rubinen wären.

Seht, sprach's es will nun dankbar sein,

und meint, ich sei sein Mütterlein.