Frühlingsweihe

C. Loewe

Holder Lenz, mit reichen Gaben

schmückst du wieder unsre Flur,

und wir eilen, uns zu laben,

in die lachende Natur.

Junges Grün und Blüten prangen

rings um uns in duft'gen Reih'n,

unsre Seelen euch umfangen,

lehnen schmachtend sich hinein.

Da empfinden tief wir wieder

ungetrübte, reine Lust,

alte kindlich fromme Lieder

werden wach in unsrer Brust.

Unsre Blicke weilen trunken

auf dem schönen Friedensbild,

und in Andacht still versunken,

unbewußt die Träne quillt.

Das ist deine Frühlingsweihe,

das ist deine treue Hut,

o Natur, du machst aufs Neue

alle Menschen fromm und gut.