Heinrich der Vogler

C. Loewe

Herr Heinrich saß am Vogelherd,

Recht froh und wohlgemut;

Aus tausend Perlen blinkt und blitzt

Der Morgenröte Glut.

In Wies und Feld, in Wald und Au,

Horch, welch ein süßer Schall!

Der Lerche Sang, der Wachtel Schlag,

Die süße Nachtigall!

Herr Heinrich schaut so fröhlich drein:

Wie schön ist heut die Welt!

Was gilt's, heut gibt's 'nen guten Fang!

Er schaut zum Himmelszelt.

Er lauscht und streicht sich von der Stirn

Das blondgelockte Haar...

Ei doch! was sprengt denn dort heran

Für eine Reiterschar?

Der Staub wallt auf, der Hufschlag dröhnt,

Es naht der Waffen Klang;

Daß Gott! die Herrn verderben mir

Den ganzen Vogelfang!

Ei nun! was gibt's? Es hält der Troß

Vorm Herzog plötzlich an,

Herr Heinrich tritt hervor und spricht:

Wen sucht ihr Herrn? Sagt an!

Da schwenken sie die Fähnlein bunt

Und jauchzen: Unsern Herrn!

Hoch lebe Kaiser Heinrich, hoch!

Des Sachsenlandes Stern!

Sich neigend knien sie vor ihm hin

Und huldigen ihm still,

Und rufen, als er staunend fragt:

's ist deutschen Reiches Will!

Da blickt Herr Heinrich tief bewegt

Hinauf zum Himmelszelt:

Du gabst mir einen guten Fang!

Herr Gott, wie dir's gefällt!