Herodes' Klage um Mariamne

C. Loewe

O Mariamne, dieses Herz,

Das dein Herz bluten liess, muss bluten;

Auf Rache folget Todesschmerz,

die Reu'auf wilden Zornes Gluthen.

O Mariamne, Mariamne! Wo bist du?

Du siehst nicht meine Thränen fluthen:

Sonst winktest du mir Mitleid zu,

wenn Gottes Strafen auch nicht ruhten.

Ach! Und ist sie todt? Sie durften's thun

Auf mein Geheiss ihr Blut verspritzen?

Mein Tod war's! Denn ich sehe nun

Dasselbe Schwert mir drohend blitzen.

Doch du Gemordete bist kalt;

Und strebt ich auch nach jenen Sitzen,

wohin du ohne mich gewallt,

ich werde nimmer sie besitzen.

Mit hir, die trug mein Diadem,

ist all mein Glück zu Grab' getragen.

Die Blume von Jerusalem

hab' ich, dem sie geblüht, zerschlagen.

Mein ist die Schuld, die Hölle mein,

die mich verdammt zu ewgen Plagen

und immer tödtend wird die Pein,

selbst niemals todt, mein Herz zernagen!