Jerusalems Zerstörung durch Titus
C. Loewe
Von dem Berge, wo zuletzt noch ein Tempel sich zeigt,
Da schaut' ich dich, Zion, als Rom dich gebeugt.
Deiner Abende letzter ging unter, und Brand
Schlug entgegen dem Blick, den ich auf dich gewandt.
Den Tempel, mein Haus, wollt' ich sehn noch einmal
Und vergaß drob der Knechtschaft mein harrender Qual.
Doch das Feuer nur schaut' ich, vom Tempel genährt.
Und die Fessel des Arms, die mir Rache verwehrt.
Wie oft stand auf eben dem Hügel ich nicht,
Wenn die Sonn' ihn bestrahlte mit scheidendem Licht!
Wie oft hat mich mich da nicht ihr Schwinden entzückt,
Wenn die Zinne des Tempels dem Aug' sie entrückt!
Der Hügel auch war es, wo wieder ich stand,
Nicht achtend des Sonnenlichts, wie es verschwand.
O hätt' ich statt dessen den Blitz aus den Höhn
Und den Donner die Feinde zerschmettern gesehn.
Doch stets sei entweihen der Gõtzendienst fern
Von dem Ort, der zur Wohnung gefallen dem Herrn!
So zerstreut und verachtet dein Volk auch mag sein,
Anbetung, o Vater, sie dir nur allein!