Kind und Mädchen

C. Loewe

Die mich hat am Fädchen,

Stehet auf der Grenze still

Zwischen Kind und Mädchen,

Und ist Beides, was sie will.

Wie es eben dienen

Mag am besten ihrem Plan,

Legt sie sich die Mienen

Von dem ein' und andern an.

Aus dem einen immer

Leis in's andere Gebiet

Spielt sie, wie ein Schimmer

Durch bewegte Zweige flieht.

Mädchenhaft und kindlich,

Wie sie mir sich zeigen mag,

Mir unüberwindlich

Blieb sie bis auf diesen Tag.

Kindischer Geberde

Dich zu necken scheint sie dort:

Dann den Mut zur Erde

Schlägt sie mit erwachs'nem Wort.

Wenn du sie willst nehmen

Für ein Kind, wie sie sich gibt,

Wird sie dich beschämen,

Wenn's ihr klug zu sein beliebt.

Wenn sie zu fassen

Nun beim Ernste denkst mit Glück,

Zieht sie sich gelassen

In den kind'schen Scherz zurück.