Melek in der Wüste

C. Loewe

Heiß glüht der Pfad; am frühen Tag

War Melek schon zum Wege wach;

Nun zieht er lechzend im Mittagsbrand

Von Durst verfolgt durch den sengenden Sand.

Es heult die Hyäne, der Pardel brüllt,

Des Glutsands Strudel den Blick verhüllt: --

"Und trüg' ich's selbst auch länger noch,

Du treues Roß erlägst mir doch!"

Und höher der Wirbel den Sand aufwühlt,

Kein Labetrunk, kein Schatten kühlt;

Da blickt er zum Himmel, sein Auge fleht,

Die lechzende Lippe wird Gebet: --

"Der du die Gräser

Tränkest mit Tau,

Der du in's Glutmeer starrenden Sandes

Hast die Oase gegossen,

Schenke Erquickung mir;

Wecker des Tags und der Nächte Hüter,

Nicht in dem Glutsand hier

Laß mich verschmachten, des Lebens Gebieter!

"Horch! erfüllt nicht die Luft

Wandernder Kata's Schaar? --

Ist er noch fern der Quell,

Dem dürstend ihr entgegen zieht? --

"Auf, mit der Vögel Schwarm

Fliege, mein Roß! dort letzt

Mit erquickender Kühlung

Uns der sprudelnde Labequell."