Musik

C. Loewe

Wer einsam steht im bunten Lebenskreise

Und was das Leben teuer macht, verlor,

Wie bebt sein Herz, trifft eine liebe Weise

Aus ferner Jugendzeit sein horchend Ohr.

Willkommen Töne! Eures Hauches Fächeln

Weckt eine schlummernde Gedankenwelt,

Verweinte Augen lernen wieder lächeln,

Die düst're Stirn ist plötzlich aufgehellt.

Der Zephyr, der in reichen Blütendüften

Des Orients sich hin- und hergewiegt,

Verbreitet Balsamhauch noch in den Lüften,

Wenn schon die Blume welk am Boden liegt.

So lebt, ist auch der Traum des Glücks entschwunden,

Erinnerung im Hauche der Musik;

Ein kleines Lied aus jenen bessern Stunden

Bringt uns die alte Seligkeit zurück.

Musik, Du Mächtige, vor Dir entschwindet

Der armen Sprache ausdrucksvollstes Wort;

Warum auch sagen, was das Herz empfindet,

Tönt doch in Dir die ganze Seele fort.

Der Freundschaft Worte haben oft gelogen,

Es täuscht die Liebe durch Beredsamkeit;

Musik allein hat nie ein Herz betrogen

Und viele tausend Herzen hocherfreut.