Sängers Wanderlied
C. Loewe
Gar fröhlich tret' ich in die Welt
und grüß' den lichten Tag
mit Sang und Liedern reich bestellt,
sagt, was mir fehlen mag?
Viel Menschen schleichen matt und träg
ins kalte Grab hinein,
doch fröhlich geht des Sängers Weg
durch lauter Frühlingsschein.
Natur, wie [ist es doch so schön!
An deiner treuen Brust
lieg' ich auf deinen Zauberhöh'n
in stiller] Liebeslust.
Da wogt es tief und wunderbar,
weiß nicht, wo ein, wo aus,
doch endlich wird das Treiben klar
und tobt in Liedern aus.
Mit Liedestönen wach' ich auf,
sie quellen sanft heran;
die Sonne hoch am Himmel 'rauf
trifft mich beim Singen an.
Nicht rast' ich, wenn der Tag verglüht,
[greif' in die Saiten ein
und grüße noch mit stillem Lied
des Abends Dämmerschein].
Und langsam steigt die Nacht herauf
aus tiefer Bergeskluft,
da wacht mein Lied zum Himmel auf
in klarer Sternenluft,
bis sich in bunter Träume Reih'n
vergnügt des Sängers Blick;
doch denk' ich träumend auch allein
an Sang und Dichterglück.
Und wo ich wand're hier und dort,
da duldet man mich gern,
wohl mancher sagt ein freundlich Wort,
doch immer muss ich fern.
Denn weiter treibt's mich in die Welt,
mich drückt das enge Haus,
und wenn der Gott im Busen schwellt,
muss ich ins Freie 'raus.
Und frisch hinaus, und frisch hinein,
durch Lebens Nacht und Tag,
auf dass mich Freiheit, Lieb und Wein
gar treu begleiten mag.
Ein freier Sinn in Lust und Weh
schwelgt gern in Sang und Reim,
und sag' ich einst der Welt ade,
zieh' ich in Liedern heim.